Fremdenverkehr vor dem Krieg - Arenberg

Direkt zum Seiteninhalt

Fremdenverkehr vor dem Krieg

Arenberg
Fremdenverkehr vor dem Krieg
Arenberg und der Fremdenverkehr

Bis Anfang des 2 ten Weltkrieges am 1. September 1939 war Arenberg eine Ausflugsziel, Pilger-  und Wallfahrtsort. Die Kirche und die Pfarrer-Kraus-Anlagen   sowie die Festung Ehrenbreitstein. waren eine Besonderheit.

Über 250.000 Wallfahrern erschienen jährlich, mit Zügen und Schiffen aus Nah und Fern. Besucher kamen auch von dem  benachbartem Ausland und aus den Stadtteilen  von Koblenz mit der Straßenbahn  zum  "Roten Hahn" .

Über 20 Straßenbahnen kamen in der Stunde an, die Besucher stiegen an der Endstation aus. Vor allem an den christlichen Festtagen, wie zum Beispiel "weißen Sonntag"  waren es überwiegend Kommunionkinder, in Begleitung von ihren Eltern, Paten und Verwandten.

Die Mädchen im weißen langem Kleid und die Jungen im Matrosenanzug, pilgerten Sie von der Koblenzer Innenstadt aus  Foto Foto Foto nach Ehrenbreitstein , die " Kniebreche" hoch, um nach Arenberg zu gelangen und damit zum "Roten Hahn" um dort Kirche und Anlagen zu besuchen.
Alle Erstkommunikanten von Arenberg, so war es Tradition vor dem Krieg in Arenberg, wurden von meinem Großvater Matthias Lemaire Foto und meiner Großmutter Susanna Lemaire von Kopf bis Fuß komplett eingekleidet.

Das ehemalige Gasthaus "Jägerhaus" in Niederberg, Lage kurz von dem Ortseingang Arenberg und damit am Ausgang der Kniebreche , war damals umsäumt von mehreren schön gewachsenen Kastanienbäume. Diese Bäume warfen angenehmen Schatten, nach dem anstrengenden Marsch. Es gab in diesem Gasthaus  Erfrischungen, die man dort  im Schatten gerne zu sich nahm.

Bedauerlicherweise wurde das Gasthaus "Jägerhaus" nach dem Krieg Opfer eines Feuers. Nach dem es bis auf die Grundmauern nieder brande wurde es nicht wieder aufgebaut und es befinden sich heute Einfamilienhäuser an der Stelle.

Es gab in Arenberg  einmal 13 Andenkengeschäfte: (aus Richtung Niederberg)

  1. Peter Christ
  2. Jean Kess
  3. Finchen Lemaire
  4. Christine Hess
  5. Peter Aretz
  6. Franz Völker
  7. Oma Merz
  8. 2 x August Löhner
  9. 2 x Matthias Lemaire
  10. Kiosk an der Kirche Völker
  11. Konrad Klee.

Des weiteren 12 Gastwirtschaften und Hotels in Arenberg.   (von Niederberg aus:)
 
  1. Angermann
  2. Schweizer
  3. Göbel  - Zur Krone
  4. Lemaire – Zum Löwen,
  5. Oppel,
  6. Schmitt –Zur Traube,  
  7. Peter Simon,  
  8. Willi Körber –Zum Stern,
  9. Ciossmann - Stadt Köln,  
  10. August Löhner - Hotel Löhner,  
  11. Konrad Klee,
  12. Schoerfs .Zum Roten Hahn.

 Außer dem noch 3 Cafe’s:

  1. Peter Giefer
  2. Carl  Krämer
  3. Rossbach

Viele Arenberger, die die Möglichkeit hatten, stellten Tische mit Sitzgelegenheiten auf die Straßen, um den zahlreichen Besuchern Kaffee/Kuchen für Pfennigbeträge anzubieten und sich damit Ihrer Haushaltskasse auf zu besseren.

Mein Großvater Matthias Lemaire, betrieb u.a. eine Andenkengeschäft. Foto , (linkes Bild, 2 Haus auf der linken Seite ) und eins direkt an der Kirche, gegenüber dem Hotel Löhner. In dem damaligen und auch heutigen Hotel Löhner Foto gab es außer Andenken von der Reise, auch ein Lokal. Nach dem Krieg betrieben meine Eltern in Arenberg eine Gaststätte " Zum Löwen". Heute befindet sich in diesem Gebäuden, eine Kneipe sowie eine Fahrschule. Foto

Auf dem „Kissel“ ( Kissel ist am Ortsausgang von Arenberg in Richtung Neuhäusel) befand sich das Parkhotel Foto Foto ,  (davor Konrad Klee.

Demzufolge  kostete:

  • Übernachtung mit Verpflegung 3,50 RM,  
  • nur Übernachtung 1,50 RM,  
  • ein Schnaps ( Korn)   0,25 RM
  • ein Glas Wein 0,33 RM  
  • und ein Bier 0,25 RM.

Die Reichsmark war als Währung weitgehend unwirksam, kaum eine Person war bereit, Güter gegen Geld aus der Hand zu geben.

Im Alltag bestimmte die Tauschwirtschaft mit all ihren Merkwürdigkeiten den Handel. Manche Luxusgüter wie z. B Tafelsilber wurden gegen Butter eingetauscht.

Dann war es soweit, die Westalliierten machten am 19 Juni 1944 das  Währungsgesetzt bekannt , die neue Währung DM wurde am 20. Juni ausgegeben.

Mein Großvater Matthias Lemaire fuhr damals das erste Auto (ein Packard als Taxiversion) in Arenberg und war eins von zwei Fahrzeugen in Koblenz.
Dieser Wagen wurde in Koblenz in Einzelteilen verpackt in mehreren Kisten  aus Amerika angeliefert und in Koblenz zusammen gebaut.
Er hatte auch schon Telefon, zwar nicht in der heutigen Funktion der Mobilfunkgeräte, aber es funktionierte von vorne noch hinten, wenn man die dicke Glasscheibe geschlossen hatte, die sich dazwischen befand. Matthias Lemaire betrieb bereits vor dem 2. Weltkrieg eine Taxiunternehmen.

Der Wagen wurde ca. 1932 an die Feuerwehr Idar-Oberstein verkauft und dort umgebaut zum Feuerwehrwagen. Dieses Fahrzeug ist heute noch zu besichtigen in einem Museum in Idar-Oberstein.

Lehnen Aloys betrieb ein Kolonialwarengeschäft und Lehnen Adolf hatte ein Geschäft für Kurzwaren Foto direkt da neben..

Gegenüber von der handbetrieben Esso - Tankstelle die Lehnen Aloys ausübte, hatten sich die Mitglieder der NSDAP ihr Parteilokal Foto eingerichtet ( nach dem Krieg Fam. Schmitt –Gasthaus Zur Traube danach Wohnhaus von Peter Völker).

Die Mitglieder der NSDAP trafen sich dort uniformiert  auf der Terrasse und tanken regelmäßig ein „kühles Blondes“.

Lehnen’s Aloys bediente die Schwengelpumpe , bis das Schauglas mit 5 Liter Benzin aufgefüllt war. Im Anschluss daran wurde der Handhebel am Benzinschlauch geöffnet, damit das Benzin langsam in den jeweiligen Tank fließen konnte. Diese Verfahren musste abermals wiederholt werden bis der jeweilige Tank voll war. Diese Verfahren konnte schon einige Minuten dauern.

Der zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939. Die Fahrzeuge wurden für den Kriegseinsatz beschlagnahmt. Die Entschädigung in der Reichsmark sie entsprach nicht im Entferntesten dem Wert. Doch so war es nicht nur in unsere Gemeinde, den anderen Orten ging es auch so. Koblenz aber auch das Umland litten besonders unter den Unruhen des Krieges.

Auf Koblenz ging am 19. September 1944 ein schwerer Bombenangriff nieder, dieser zerstörte die Stadthalle und ein größten Teil der Mainzer Straße und der heutigen Friedrich – Ebert- Rings, es wurde dem Erdboden gleichgemacht. In Koblenz gab es viele Gefallene.

Wenn man die Pfaffendorfer  Brücke überqueren wollte, so war das mit viel Mut verbunden. Durch die vielen Bombentreffer, blickte man direkt in den Abgrund des Rheins.

Gleich zu Anbruch des Krieges, wurden schwere Strafen festgesetzt. Sie ordneten Verdunkelung an, die Fenster mussten Abends mit dunklem Kartonpapier verschlossen werden, so das nicht irgend ein Licht nach außen treten könnte. Von den Kraftfahrzeuge waren die Scheinwerfer mit Schirmen zu versehen. Dies sollte eine Maßnahme sein, für den Fall, wenn ein feindlicher Bombenangriff von oben gestartet wurde ,das man kein Angriffsziel bietete. Selbst die Straßenbeleuchtung wurde nahezu abgeschaltet. Genutzt hat dieses, wie man nachfolgend sieht sehr wenig. Koblenz wurde am 6.November abends, durch einen Luftangriff in einen Ruine verwandelt.

In Arenberg gingen eine Vielzahl von Fensterscheiben in die Brüche ,selbst die Scheiben der Kirche. Man versuchte die zerstörten Fenstern, mit Brettern oder Pappe auszubessern , soweit man sie präsent hatte. Noch heute liegen viele Blindgänger überall herum, die damals auf Arenberg fielen.  

In Niederberg, die Flackkaserne brannte lichterloh. Wasser zum Löschen, war schwerlich vorhanden, so wurde eine Eimerkette gebildet. Mit Jauche versuchte man dem Flammenmeer entgegenzutreten. Das leider vergeblich war.

In der Silberstraße ,die Scheune "Schneider`s Hof" brannte bis zu den Grundstein nieder. Das Vieh konnte man noch erfreulicher Weise aus dem angrenzenden Stall retten. Die Scheune ,sowie auch der Inhalt (Getreide / Heu) verbrannte. Um das Vieh über den Winter zu bringen, war bei den Bauern des Ortes Solidarität angesagt , sie übernahmen am nächsten Tag das Vieh.

Angriff wieder auf Koblenz und Umgebung, am 10.Dezember 1944. Die Bewohner  flohen in unterschiedlich Bunker von Koblenz. Sie flüchteten u.a neben dem Koblenzer Stadttheater, in den Keller der Wein- und Sektkellerei Deinhard Foto

Der rechte Eckflügel, des Mutterhauses der Dominikanerinnen würde zerstört sowie die Schule in Arenberg .Über 5000 Bomber leerten am Heiligen Abend ihre todbringend Fracht über dem Rheinland aus. Nun kam Angriff auf Angriff. Koblenz den 27.Dezember 1944 gingen 34 Sprengkörper nieder.

Die Bergleute von Arenberg und Immendorf bauten unter reger Beteiligung, in Arenberg und Immendorf mehrere Stollen zum Schutz der Bevölkerung. Man packte das Notwendigste ein und beim Fliegeralarm rannte man in den Bunker. In dem Bunker wartete dann die Bevölkerung auf die Entwarnung.

Als dann die ersehnte Entwarnung kam, rannten alle wieder nach Hause. Dies konnte am Tag mehrmals passieren.

31.Dezember 1944 Arenberg, zwei Luftmienen fallen. Durch Dauerfrost war der Erdboden mehrere Zentimeter gefroren. Ein gefrorenes Erdstück schlug in ein Bauernhaus in der Silberstraße durch das Dach ein. An den beiden benachbarten Höfe waren schwere Schäden. Die Scheunen wurden abgedeckt .Vernichtet wurde die Ernte vom Vorjahr überwiegend, durch zerbröckelten Schiefer, Geröll, Bretter und fallender Schnee. Nach dem Brand vom 6. November, hatte der Schneider`s Hof gewissermaßen den Rest hin nehmen müssen.

Arenberg lag in der Anflugschneise nach Koblenz, aus der Sicht der alliierten  Kräften und Ihren Bombern. Zur Luftabwehr hatte die Wehrmacht mehrere Stellungen eingerichtet. Da waren Horchgeräte, Flakscheinwerfer und die nötige Dieselaggregate zur Stromversorgung. An einem Standort waren im Unterdorf, gegenüber der Einfahrt "Kühol" zwei Stromgeneratoren aufgestellt. "Im Schweinegarten" zwischen dem heutigen Falkenweg und der Silberstraße wurden die Flakscheinwerfer und Horchgeräte eingegraben. In einer Baracke, im oberen Gebiet des Falkenwegs waren die Mannschaften untergebracht.

Der "Leitstand", der die gemessenen Koordinaten der gegnerisch Bomberverbände mittels Feldtelefon an die zahlreichen Flakstellungen auf den Kreuzberg Niederberg informierten, befand sich auch dort. Überrest dieser Flakstellungen sind heue noch zu sehen. Die Feuerkraft dieser Anlage (8,8 er FLAK, Reichw. an die 5 Km) war gegen die Anzahl der anfliegenden Bomber eher dürftig, ebenfalls die Abschussquote.

Ein Horchgerät  ist eine etwa zwei Meter Parabolschüssel, in deren Mittelpunkt ein sehr empfindliches Mikrofon angebracht Flakscheinwerfer überreicht.

Er bestand aus einem Glasparabolspiegel von einem Durchmesser 150 cm und einer. Zwei von den Flakscheinwerfer nahmen dann ,den Anführer  des anfliegenden Bomber- Geschwaders ins Visier, der konnte durch den Lichtstrahl, sobald er im Mittelpunkt der Scheinwerfer war, nichts mehr sehen.

Die Scheinwerfer folgen den Anführer und die Flugparameter wurden ständig an die Flakstellungen überreicht. Bei einem Bombenangriff auf Koblenz setzten diese Anführer, auch Scout genannt ,den vom Volksmund allgemein so bezeichnet "Christbäume". Dies war eine Leuchtrakete in Form eines beleuchteten Weihnachtsbaum, welches auch ein Signal war für den Pulk, ihre Bomben abzuwerfen.

NSDAP in Arenberg, dies ist ein sehr melancholisches Kapitel, in der Geschichte der Arenberger. Die weitgehende Mehrheit der Parteigenossen  in Arenberg, hatten Mitgliedsnummern unter 1.000 und das im gesamten damaligen
"Großdeutschen Reich". Arenberg hatte zu jener Zeit, die älteste Ortsgruppe der NSDAP im Rheinland.

Ein Parteigenosse  aus Arenberg, hatte sogar die Mitglieds Nr. 27, er musste also der Gründungsversammlung der NSDAP (Nationalsozialischen-Deutschen-Arbeiterpartei) mitgewirkt haben. Dr. Josef Goebbels (Propagandaminister) hatte, um die Parteigenossen einzustimmen das Parteitagsgelände ,mit allen verwendbare Flakscheinwerfer im Kreis umstellt lassen.

Hoch über dem Gelände, tanze ein Strahlenbündel, doch sodas es keine Überkreuzen der Scheinwerferstrahlen gab. Dies war für viele ein Schauspiel. Die Arenberger Nazis haben unterdessen des "1.000 jährigen Reiches" nichts zu Stande gebracht, trotz ausgezeichneter Verbindung zur Reichsführung (Ley Robert). Nichts, nur Trümmer z. B am Sportplatz , die mittlerweile als Parteiheim geplant war. Nach dem Krieg wurde es abgerissen und die Granitsteine in den Fundament eines Hauses in der heutigen Pfarrer – Kraus – Straße 120 eingebaut. Wie auch ringsum in den Orten, wurde die Hauptstraße in die Adolf – Hitler- Straße umbenannt. Die Lebensbedingungen, wurden in den Kriegsjahren 1943-1945 für die Bevölkerung, insbesondere problematisch.

Die Dinge für den täglichen Bedarf, Fett, Butter, Milch, war nur noch gegen eine Lebensmittelkarten erhältlich. Der Bezugsschein bestand aus 100 Punkten, die beim Kauf von Textilien abgerechnet wurden z. B ein Pullover 25 Punkte, ein paar Strümpfe 4 Punkte Schwerarbeiter , wie werdende Mütter oder Kinder hatten ab und zu eine Sonderzulagen. Nur sie kamen in den Hochgenuss von Vollmilch, die übrigen Verbraucher erhielten Magermilch.

In den letzten Kriegsmonaten bauten die Arenberger und Immendorfer Bergleute ,um sich und die Bevölkerung in Sicherheit zu bringen, mehrere Stollen im Umkreis von Arenberg.  (Abschrift aus der Pfarrchronik)
Stollen gab es
  • an der  Kühhohl
  • auf dem Kissel
  • Weikertswiese (Grubenpfädchen)  
  • und im Calmen (heutigen Hüttenberg)

Ende des Krieges im März 1944, sollte Arenberg evakuiert und anschließend in Schutt und Asche gelegt werden. Aus diesem Anlass , wollten sie eine Panzersperre errichten und so wurden die älteren Männern verpflichtet. Fertig gestellt war die Sperre dann gegen Abend.

Durch den mutigen Einsatz und die Initiative von Franz Brendler sowie auch anderen Arenberger Männern, die nachts die Panzersperren beseitigten. Sie behüteten uns vor einer sicheren Katastrophe. Die Amerikaner zogen am 27.03.1945 etwa gegen Mittag, ohne einen Schuß von sich zugeben und niemand vergoss einen tropfen Blut in Arenberg ein.

Peter Klee stürmte die Silberstraße hinunter, mit einer weißen Fahne und übergab den Amerikanischen Panzerbesatzung den Ort. Für Arenberg war der Schrecken des Krieges vorbei.
Das anschließend Gedicht (Verfasser:.......) wurde im Frisörladen Foto Specht`s  während des Haarschneidens erzählt. Er kam dann für 2 Jahre ins Wittlcher Zuchthaus wegen "Wehrkraftzersetzung", denn er wurde bei den Nazis angeschwärzt
                                    
             Aus Erzählungen von
                            meinem Valter Alfred L e m a i r e *14.02.1915
                                                           und                                
                               meiner Mutter Gretel L e m a i r e *07.04.1929  +04.03.2004
Zurück zum Seiteninhalt