Geschichte KurfĂŒrstentums Trier II

Die folgende Darstellung der Geschichte des KurfĂŒrstentums Trier entstammt als Auszug von dem Landeshauptarchiv

GrundzĂŒge der Territorial- und Behördengeschichte des Koblenzer Archivsprengels

Im Zentrum eines solchen Überblicks muss ohne Frage das Erzbistum und KurfĂŒrstentum Trier stehen, das bei weitem bedeutendste und grĂ¶ĂŸte Territorium der sĂŒdlichen Rheinlande, dessen Überlieferung auch den Kern der Koblenzer AltbestĂ€nde ausmacht. Seit dem 3. Jahrhundert ist die alte römische Kaiserstadt Trier in bis heute ungebrochener Tradition Bischofssitz und damit das Ă€lteste Bistum Deutschlands. Es war diese bischöfliche Gewalt, die in den Zeiten des Zerfalls des Römischen Reiches und der Völkerwanderung die stĂ€dtische SiedlungskontinuitĂ€t und damit den Fortbestand von Stadt und Bistum sicherstellte. Bereits im 6. Jahrhundert sind erste Anzeichen einer Metropolitanstellung der Trierer Bischöfe nachweisbar, die in den siebziger Jahren des 8. Jahrhunderts sich auch in Konkurrenz zu Metz verfestigte und Gestalt annahm. Im Jahre 969 wurde gar der Primatanspruch Triers als Hauptort der Provinz Belgica Prima durch ein Privileg Papst Johannes XIII. sanktioniert, auch wenn dieser in der Folgezeit nicht durchgesetzt werden konnte. Gleichzeitig mit der Konsolidierung der bischöflichen Gewalt erfolgte der administrative Aufbau des Erzbistums. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts wurden nach westfrĂ€nkischem Vorbild erste Archidiakonate eingerichtet, die, nochmals in Dekanate unterteilt, die Aufgaben der Chorbischöfe Übernahmen. Mit der Schenkung des Koblenzer Königshofes und des Stiftes St. Florin im Jahr 1018 durch Kaiser Heinrich II. an den Trierer Erzbischof Poppo erhielt das Erzbistum einen ersten BrĂŒckenkopf am Rhein, wodurch die weitere Entwicklung entscheidend mitbestimmt wurde. Unter Erzbischof Balduin von Luxemburg (1307-1354) erlebte das Erzbistum seinen territorialen und administrativen Ausbau, der einherging mit einer betrĂ€chtlichen Steigerung der politischen MachtausĂŒbung. Als einer der Hauptinitiatoren des Rhenser Kurvereins legte Balduin den Grundstein fĂŒr die Goldene Bulle von 1356, die die Wahl des deutschen Königs durch die sieben KurfĂŒrsten, die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier sowie den Herzog von Sachsen, den Markgrafen von Brandenburg, den Pfalzgrafen bei Rhein und den Herzog von Böhmen festschrieb. Im Inneren seines Erzstiftes betrieb Balduin die konsequente Arrondierung seines Territoriums verbunden mit dem Aufbau einer effektiven Verwaltung. Der Erwerb neuer Rechte sowie die Einbindung kleiner und mittlerer Herrschaften in das Lehnssystem schufen ein geschlossenes Territorium von der Mosel bis zum Rhein und stellten damit die lang ersehnte rÀumliche Verbindung zwischen beiden Herrschaftsschwerpunkten her. Gleichzeitig teilte er das Erzbistum in Ober- und Niedererzstift ein, deren Zentren, Trier und Koblenz, jeweils Zentralbehörden wie Offizialat und Kanzlei erhielten. Auf lokaler Ebene richtete er Ämter und Kellereien ein, an deren Spitze ein Amtmann als oberster Gerichtsherr stand, zumeist ein Adliger oder Domherr. Die Finanzverwaltung der Ämter erfolgte durch die Kellner, die in spĂ€teren Jahrhunderten auch bĂŒrgerlicher Herkunft sein konnten. Charakteristisch fĂŒr die von Balduin geschaffenen Verwaltungsstrukturen war zum einen das Ineinander von geistlicher und weltlicher Verwaltung, zum anderen die RĂŒcksichtnahme auf althergebrachte lokale Rechte, die weitgehend gewahrt blieben und in die landesherrliche Verwaltung eingebunden wurden. VervollstÀndigt wurde der balduineische Verwaltungsausbau durch eine umfassende Reform der Schriftgutverwaltung, in deren Zentrum die konsequente Anlage von Registern stand. Damit kann Balduin zurecht als der eigentliche Schöpfer des Kurstaates Trier angesprochen werden, dessen Gestalt und Struktur von seinen Maßnahmen nachhaltig geprĂ€gt wurden. Der von ihm geschaffene zweigliedrige Verwaltungsaufbau in zentrale und lokale Behörden mit engen Verflechtungen von geistlicher und weltlicher Verwaltung wurde in den folgenden Jahrhunderten nur geringfĂ€gig modifiziert. So blieb vor allem die lokale Verwaltungsgliederung in der Folgezeit weitgehend konstant. Ihr Hauptmerkmal war die Verbindung von Justiz und Verwaltung, verkörpert in der Person des Amtmannes.

Auch auf zentraler Ebene wurde der Ausbau der landesherrlichen Verwaltung nach Balduin nur zögerlich vorangetrieben. Einen Rentmeister fĂŒr die Finanzverwaltung hatte es schon unter Balduin gegeben, doch ebenso einen Kanzler, einen Marschall und einen Hofmeister. In dem von Balduin eingerichteten Rat waren bereits sowohl geistliche als auch weltliche WĂŒrdentrĂ€ger vertreten, ein weiteres Indiz fĂŒr die engen Verflechtungen zwischen geistlicher und weltlicher Verwaltung, wobei dem Klerus trotz der stĂŒndischen BemĂŒhungen nach wie vor ein deutliches Übergewicht zukam. So gelang es dem Domkapitel, neben seiner zentralen Aufgabe, nĂ€mlich der Leitung der RegierungsgeschĂ€fte im Falle der Sedisvakanz oder Wahl eines neuen Bischofs, ĂŒber Wahlkapitulationen mehr und mehr Rechte und Besitzungen an sich zu ziehen bis hin zum Recht der Besetzung des Kanzleramtes sowie der Freiheit von allen Steuern. Das Domkapitel fungiert damit auch als wichtigster TrĂ€ger landesherrlicher Gewalt neben dem KurfĂŒrsten, in einem VerhĂ€ltnis von gegenseitiger AbhĂ€ngigkeit vom Erzbischof und KurfĂŒrsten befangen, der auf der einen Seite der Garant ihrer privilegierten Stellung war, zugleich aber auch mit seinen wachsenden absolutistischen AnsprĂŒchen die Rechte des Domkapitels zu beschneiden trachtete. Hinzu kamen wachsende stĂŒndische Auseinandersetzungen, die im Ausscheiden der Ritterschaft 1548 ihren Höhepunkt erreichten, so dass auf den jĂ€hrlich stattfindenden Land- und Rechnungstagen zur Festlegung der Steuerhöhe nur noch zwei StĂ€nde vertreten waren, ein geistlicher, bestehend aus den Äbten der Klöster, den Pröbsten oder Dechanten der Kollegiatsstifte, und ein weltlicher Stand, bestehend aus den beiden StĂ€dten des Erzstiftes, die sich in von den BĂŒrgermeistern angefĂŒhrten Delegationen aus Koblenz und Trier organisierten, dem schließlich die Hauptlast der Steuern oblag.

Die zentrale Verwaltungsebene zeigt sich ĂŒber Jahrhunderte nur gering ausgebaut. Neben dem KurfĂŒrsten gab es im wesentlichen nur einen Hofrat, ein Hofgericht seit 1456 und eine Kanzlei. Die von Balduin grundgelegte Verwaltungsstruktur des Erzstiftes blieb ĂŒber Jahrhunderte bestehen. Dies ist sicherlich den zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen und den daraus resultierenden Finanznöten zuzuschreiben. Hier ist vor allem die Manderscheide Fehde zu nennen, die ohne Zweifel einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte des Erzstifts darstellt. Sie markiert den Beginn der Konstituierung der LandstĂ€nde und den Ausgangspunkt fĂŒr das Mitspracherecht der StĂ€nde, vor allem des Adels, an der Regierung.

Aber auch innere Streitigkeiten zwischen Erzbischof und Domkapitel, die zu Doppelwahlen und Sedisvakanzen fĂŒhrten, lĂ€hmten des Ausbau der Verwaltung. Hier muss sicherlich die jahrelange Auseinandersetzung zwischen Erzbischof Philipp Christoph von Sötern (1623-1652) und dem Domkapitel genannt werden, die erst durch den Schiedsspruch einer kaiserlichen Kommission 1650 beigelegt werden konnte, aber auch die zwischen dem Erzbischof und der Stadt Trier, die erst 1580 durch die neue Stadtordnung, die sogenannte "Eltziana", beigelegt werden konnte zugunsten der Manifestierung bischöflicher Stadtherrschaft. Letztere hat darĂŒber hinaus unzweifelhaft grossen Anteil an der Verlagerung der Residenz der Trierer KurfĂŒrsten von Trier nach Koblenz, neben der besseren infrastrukturellen Anbindung Koblenz' und der wachsenden Orientierung der KurfĂŒrsten auf das Reich hin. SpĂ€testens im 15. Jahrhundert kann diese Entwicklung als abgeschlossen gelten mit Koblenz als politischem und Trier als geistlichem Zentrum des Kurstaates.

Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts fĂŒhrte mit Franz-Ludwig von Pfalz-Neuburg (1717-1729) wieder ein Erzbischof nach Balduin eine umfassende Verwaltungsreform der zentralen Ebene durch, deren Mittelpunkt die Errichtung einer eigenen Finanzbehörde, der Hofrentkammer, war. Der neue Hofrat, nunmehr nur noch fĂŒr die Landesverwaltung zustĂ€ndig, bestand aus einem VizeprĂ€sidenten, einem Vizekanzler, sechs adligen und gelehrten RĂ€ten sowie den Canzley-Verwandten, bestehend aus einem SekretĂ€r, einem Archivar, einem Registrator und mehreren Kanzlisten. Indem Franz-Ludwig an die Spitze dieser Behörde lediglich einen VizeprĂ€sidenten und Vizekanzler stellte, hatte er eine Beteiligung des Domkapitels bei der Besetzung dieser Stellen geschickt ausgeschlossen und sich so erstmalig eine allein ihm unterstellte oberste Landesbehörde geschaffen. Die gleichzeitig eingerichtete Hofrentkammer war mit einem Kammerdirektor, einem Landrentmeister sowie drei KammerrĂ€ten und Kanzleipersonal besetzt und unterstand ebenfalls dem KurfĂŒrsten direkt. Als dritte Maßnahme seiner Verwaltungsreform der zentralen Ebene sei noch die EinfĂŒhrung eines Revisionsgerichts mit klarem Instanzenzug und damit die Trennung von Verwaltung und Justiz auf oberster Ebene erwĂ€hnt. Ihre letzte Ausbaustufe erreichte die Zentralebene unter der Regentschaft des letzten KurfĂŒrsten von Trier, Clemens Wenzeslaus von Sachsen-Wettin (1768-1802). Nach dem Vorbild des preußischen Generaldirektoriums errichtete er unmittelbar nach Amtsantritt 1768 die "Geheime Staatskonferenz", die - in vier Departements/Fachressorts gegliedert - zur obersten Zentralbehörde wurde. An ihrer Spitze stand der Staats- oder Konferenzminister, der zugleich das Departement 1 fĂŒr die auswĂ€rtigen und Reichsangelegenheiten leitete. Departement 2 war mit den geistlichen Angelegenheiten inklusive Suffragane befasst, Departement 3 war zustĂ€ndig fĂŒr das Justiz- und MilitĂ€rwesen sowie die Angelegenheiten der LandstĂ€nde und Departement 4 schliesslich fĂŒr das Finanzwesen, den kurfĂŒrstlichen Haushalt, die Polizei und den Handel.

Die Besetzung der Rheinlande durch französische Revolutionstruppen 1794 beendete diese Entwicklung abrupt. Der gesamte linksrheinische Teil stand nun unter französischer Besatzung, Clemens Wenzeslaus blieb nur die Flucht in die rechtsrheinischen Teile seines Bistums. Zudem musste er 1802 aufgrund eines Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhl und Napoleon auf seine BischofswĂŒrde verzichten. Neuer Trierer Bischof wurde der Franzose Charles Mannay.

Die meisten Trierer GĂŒter kamen 1815 unmittelbar oder 1866 ĂŒber Nassau an Preußen, das Koblenz zum Verwaltungsmittelpunkt erhob. 1946 kamen die ehemaligen Trierer Gebiete an Rheinland-Pfalz

 

 

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