Roter-Hahn
 

 

 

Ein seltenes Jubiläum -300 Jahre "Roter Hahn" in Arenberg

Deutschland hat manche interessante alte Wirtshäuser aufzuweisen, zumal auch im rheinischen Land. An das eine knüpfen sich geschichtliche Erinnerungen von Fürsten-, Feldherrn- oder Dichterbesuchen, wie in Ehrenbreitstein, Koblenz, Ems, anderer hat sich die Sage oder Dichtung angenommen (Wirtshaus an der Lahn) oder sie sind bekannt durch frohes Leben und Treiben (Krone in Aßmannshausen, Drosselmüller in Rüdesheim, Aenchenhaus in Godesberg). Über manche ist die Zeit schon vernichtend hinweggeschritten, andere haben ihren Beruf gewechselt, manche auch sich zeitgemäß zu Hotels, Restaurants usw. umgemodelt, und nur noch ein altes Emblem oder eine kulturgeschichtliche Notiz gibt von ihm Kunde.

Kaum eins ist aber im deutschen lande und darüber hinaus so volkstümlich bekannt wie der "Rote Hahn" in Arenberg, der heute auf 300 Jahre seines Bestehens zurückblicken kann, wenigstens seiner aktenmäßigen Bezeugung nach.

Vor 300 Jahren wird er zum erstenmal urkundlich genannt, 1630 in einer Konzessionsbestätigung. Und schon da wird er als alt bezeichnet; das "Gasthaus Zum Roten Hahn", ist also wahrscheinlich viel, viel älter. Und was noch merkwürdiger ist, das Haus und sein Schild haben dem ganzen Ort seinen volkstümlichen Namen gegeben; denn weithin kennt man den ganzen Ort nicht anders als unter der Bezeichnung der Rote Hahnen. Es gehört schon zu den heimatkundlichen Forderungen in ganz Nassau und im Rheinland, daß man einmal wenigstens im Leben auf dem "Roten Hahnen" gewesen sein muß. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß heute mehr die sogenannten "heiligen Orte", Jene vom seligen Pfarrer Kraus zwischen 1841 und 1892 geschaffenen Anlagen um die Pfarrkirche den Hauptanziehungspunkt bilden, Anlagen, die in ihrer Eigenart und Schönheit in der ganten Welt- so möchte man sagen- bekannt sind und Jährlich von vielen tausenden frommen Wallfahrers und anderen besucht werden.

Das Ursprüngliche ist das alte Wirtshaus, um das sich der Ort allmählich herumbaute, wie das in vielen Fällen geschah. Am Schnittpunkt mehrerer Hauptverkehrsstraßen alter Zeiten, in denen man in mühseliger Fahrt zu Fuß und zu Wagen seiner Wege zu Messen und Märkten, zu Wallfahrtsorten und Großstädten zog, baute man für die müden Wanderer ein Unterkunfts-. und Verpflegungshaus, das auch oft Zollstation war, und dann kamen andere Niederlassungen dazu und eine kleine Siedlung war da, aus der allmählich ein Dorf wurde. So wird es wohl auch bei Arenberg (es soll früher Owernberg zum Unterschied von Niederberg bei Ehrenbreitstein geheißen haben und daraus das verhochdeutschte Arenberg entstanden sein). Der Kristallisationspunkt ist also anscheinend das Zoll- und Wirtshaus gewesen. Dessen Name wieder dürfte von "Rodehahn" - Rodwald, der gerodete Wald, herzuleiten sein. (Die Orte, die das Wort "Hahn" im Namen führen, sind im Westerwald nicht selten und dieses "Hahn" bezeichnet Hain - Wald, nicht das Tier.) An diesem gerodeten Waldgebiet lag also das Wirtshaus und dieses nahm dann wohl in Verkennung der Ortsbezeichnung das Schildwort und das Schildbild an, eine Vermutung, die zwar nicht exakt nachweisbar ist, aber manches für sich hat, wenn man z.B. die Bezeichnung "Hühnerkirche" eines einsamen Wirtshauses im Taunus heranzieht, das aus Heuner- Hunnenkirche (nach einem alten, angeblich von den Hunnen errichteten Mauerrest so genannt) den Namen hat. Soviel jedenfalls steht fest, daß da oben ein Zoll- und Wirtshaus stand, das nacheinander die Herrschaften von Mühlenbach und von Helfenstein und vielleicht schon früher andere für ihre Zollerhebungen benutzten.

Das alte Haus steht heute noch, wie es vor 300 Jahren wahrscheinlich auf den Grundmauern eines noch früheren gebaut wurde, nur daß es später für die erhöhten Ansprüche der Gäste nicht mehr genügte und 1899 durch den jetzigen modernen Hotel- Neubau nebenan als Wirtshaus abgelöst wurde. Heute ist es zu einer Garage umgeändert worden. So vergeht der Ruhm der Welt, kann man auch hier sagen.

Von welchen Menschenschicksalen und Zeitläuften könnte so ein altes Haus erzählen, was hat es nicht alles an sich vorbeiziehen und um und in sich geschehen sehen? Friedliche Wanderer, Karawanen der Kaufleute, Krieger und Marodeure, fromme Pilger und wüste Räuber sah es im Laufe der Jahrhunderte (man erzählt, daß auch der Schinderhannes dort öfter gewesen sei), ist gediehen und ist verdorben, je nachdem, und hat schließlich alles überdauert, als Denkmal vergangenen Zeiten. Noch ziert das alte Schild das neue Haus, mit einigen anderen Erinnerungen an entschwundene Herrlichkeit, die wohl oft wenig herrlich war. Jahrhundertelang ging der "Rote Hahn" durch Erbgang in der Familie Emsbach von Hand zu Hand, bis er an den Düsseldorfer Gastwirt Gottfried Hannen und jetzt dessen Schwiegersohn Karl Schroers aus Krefeld kam, die die frühere "Einkehr" zum modernen Hotelbetrieb mit allen zeitgemäßen Einrichtungen umgestalteten, der bei bescheidenen Preisen auch weitgehenden Ansprüchen gerecht wird, der besonders in der schönen Jahreszeit viel und gern aufgesucht wird, wie seine stellenweise recht originellen Fremdenbücher beweisen, besonders von Rheinländern, Holländern, ja sogar von Gästen aus den Ostmarken; denn der Ruhm des Roten Hahnen, nicht bloß des Gasthauses, sondern vor allem des Ortes, ist auch dahin gedrungen.

Das seltene Jubiläumsjahr des Hauses wird sicher manchen alten Freund aus lieber, schöner Erinnerung wieder einmal nach Arenberg führen, zumal im Jahre der endgültigen Befreiung des Rheinlandes von der Last und den Beschwernissen der Besatzung. Wer Koblenz und besonders die alte Festung Ehrenbreitstein auf einer Rheinfahrt in diesem Jahr besucht, - und deren werden nicht wenige sein- ‚ der wird einen kleinen Abstecher zum "Roten Hahnen"

                                                                           Abschrift aus Koblenzer Volkszeitung v. 12.4.1930

 

 

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