Festung
   

Stadt, Rheintal und Moselmündung beherrschend, dehnen sich die weitläufigen Anlagen der Festung Ehrenbreitstein auf einem nach Westen, Süden und Osten steil abfallenden Bergsporn aus; Zeugnis 800jährigen Mühens um Macht und Sicherheit.

Die Festung Ehrenbreitstein, ist die größte erhaltene Festung Europas. Sie wurde in den Jahren 1824 bis 1826 mit einem enormen Kostenaufwand von 24 Millionen Goldmark vom damaligen preußischen Staat in ihrer heutigen Art ausgebaut und erweitert.

Um das Jahr 1000 hat hier der Konradiner Erenbert die nach ihm benannte Burg gegründet. Die Erzbischöfe von Trier traten seine Nachfolge an, verstärkten und vergrößerten die Burg, gründeten noch im 12. Jh. eine zweite Burg auf vorgelagertem Felsen, genannt Helfenstein, Sitz eines Ministerialengeschlechtes. Schließlich bauten die Trierer Erzbischöfe und Kurfüsten beide Burgen in nachmittelalterlicher Zeit zu einer gewaltigen, großflächigen Festung des 17. und 18. Jh. aus, unter Beteiligung namhafter Architekten, wie Johann Pasqualini, Philipp Honorius von Ravensteyn und Balthasar Neumann.
Immer wieder diente der Ehrenbreitstein bei drohender Gefahr als Zufluchtsort für den Landesherrn und als Aufbewahrungsort der Trierer Heiligtümer, unter ihnen der hl. Rock.

Während der Besetzung von Koblenz durch französische Revolutionstruppen 1797 konnte der Ehrenbreitstein erst nach über einjähriger Belagerung 1799 durch Aushungern zur Übergabe gezwungen werden. Wenig später, 1801, wurden seine Bauten gesprengt.
Durch den Wiener Kongreß 1814/1815 kamen die rheinischen Teile des Trierer Kurstaates als Teil der Rheinprovinz zum Königreich Preußen. König Friedrich Wilhelm III. entschied bereits 1815 den Ausbau von Koblenz zur Festungsstadt. Generalmajor von Aster und Oberstleutnant Le Boud de Nan entwarfen und Ingenieur-Hauptmann von Hoiningen, gen. Huene, realisierte 1817-1828 die Wiederbefestigung des Ehrenbreitstein zum größten militärischen Bollwerk am Rhein, bestimmt für 1500 Mann Besatzung.

Im ersten Weltkrieg 1914/18 wurde die Festung nicht in Mitleidenschaft gezogen und dem Eingreifen des amerikanischen Oberbefehlshabers Generals Allen verdanken wir, daß die Festung nach Ende des ersten Weltkrieges nicht gesprengt wurde.

Im Jahre 1945 wehte zum zweiten Mal das amerikanische Sternenbanner auf der Festung. Es war dieselbe Flagge, die schon nach dem ersten Weltkrieg auf der Festung gehisst wurde - man hatte sie eigens aus dem Kriegsmuseum in Washington eingeflogen.

Die Pagerie (an der Festungsauffahrt von der Rheinseite) wurde von 1690 bis 1692 von dem Hofbaumeister Johann Christoph Sebastiani für den Trierer Erzbischof und Kurfürsten Johann Hugo von Orsbek am rheinseitigen Fuß der Festung errichtet. Das barocke Gebäude war ursprünglich Teil der großen Ehrenbreitsteiner kurfürstlich-trierischen Residenzanlage. Es diente zunächst als Neue Kanzlei (diese Funktion übernahm 1750 das heute noch erhaltene große Dikasterialgebäude), dann als Unterkunft adliger Herren des Hofes und als Wohnstätte der am Hof beschäftigten Pagen (daher der Name), schließlich seit 1786 als Waisenhaus und in nassauischer Zeit ab 1804 als Kriminalgefängnis. Heute birgt es Wohnungen.
Die Festung selbst, beherbergt heute das Landesmuseum Koblenz, das Bundesfilmarchiv, die Abteilung Archäologische Denkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege, zwei Gaststätten, eine vielbesuchte Jugendherberge und Wohnungen.

Eine Sesselbahn führt zum Stadtteil Ehrenbreitstein. Seit 1970, nach der Übernahme der staatlichen Schlösserverwaltung, laufen in Mehrjahresprogrammen kostenintensive Instandsetzungsarbeiten, aber noch immer gibt es sichtbare Kriegsschäden.